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Magazin BGL & Salzburg

Wieviel Hilfe braucht das Glück? Interview mit Dr. Reinhard K. Sprenger

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Wege aus dem Jammertal

Glück ist keine Glücksache. Schluss mit Ausreden und Rechtfertigungen mit deren Hilfe viele die Verantwortung für ihre eigene Lebenssituation von sich weisen. Ihr Leben, wie es jetzt ist, haben Sie frei gewählt – und das bedeutet auch, dass Sie eine schlechte Situation jederzeit wieder abwählen können. Doch genau diesen Preis wollen die meisten Menschen nicht zahlen. Lieber klagen sie über unangenehme und unverschuldete Zustände und deren Begleiterscheinungen. Wege aus diesem Jammertal veranschaulicht uns Dr. Reinhard K. Sprenger in  seinem Buch „Die Entscheidung liegt bei dir“.

NebenAN: Herr Dr. Sprenger, sie sind ein promovierter Philosoph und gelten als profiliertester Managementberater von nahezu allen Dax-100-Unternehmen. Ist da nicht schon ein Konflikt vorprogrammiert?

Sprenger: Philosophie, die in der Praxis ankommt, kommt darin um. Das ist die Lehre von Platons, der den tyrannischen Herrscher von Syrakus zivilisieren wollte. Aber eine Philosophie, die keine Wirklichkeit haben will, ist irrelevant. Also: Was kann sie leisten? Sie blättert Möglichkeitsformen auf, eröffnet Freiheitsräume, stellt Alternativen zur Wahl. Insofern macht sie zukunftsfähig.

NebenAN: Als Glück empfinden die meisten Menschen, wenn einem unerwartet und ohne Zutun etwas in den Schoß fällt.

Sprenger: Glück, was auch immer wer darunter versteht, ist nicht etwas, das einem zustößt. Glück ist das Ergebnis von selbstverantwortlichem, entschiedenem Handeln. Glück folgt der Entschiedenheit. In dem Buch zeige ich wie jeder durch aktives Tun, der alltäglichen Unzufriedenheit entkommen kann und wieder die Kontrolle über sein Leben gewinnt.

Magazin NebenAN, Seite 11

Magazin NebenAN, Seite 11

Wer sagt: „Ich kann nicht“, der will nicht.

 NebenAN: Wie gewinnt denn der Leser seine Kontrolle wieder zurück?

Sprenger: Indem er ein selbstbestimmtes Leben führt. Denn alles was er tut, tut er freiwillig. Nicht die Umstände sind an seiner Situation schuld. Alles ist das Ergebnis seiner Wahl. Er wollte das Haus, diesen Job, diesen Partner, diese Stadt und auch diesen Alltag. Alles ist jederzeit änderbar. Dafür wäre natürlich ein Preis zu bezahlen. Wenn man irgendetwas nicht tut, dann ist entweder der Preis der Änderung zu hoch, oder einfach nicht wichtig genug.

NebenAN: Nicht immer lassen sich Dinge augenblicklich ändern.

Sprenger: Dann verlassen Sie eine Situation, wenn sich etwas nicht ändern lässt. Wenn Sie nicht weggehen können: Erkennen Sie die Situation mit voller Hingabe an. Dann bleibt die Entscheidung mit Entschiedenheit, mit all ihren Konsequenzen. Mann kann nur im Hier und Jetzt leben.

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Jammern gilt demnach nicht?

Sprenger: Es ist einfach und bequem, die Umstände oder andere Menschen für die eigene Situation verantwortlich zu machen. Doch das sind nur  billige Ausreden. Es ist in Ordnung, auch mal kurzzeitig zu jammern. Wer sich aber immer als Opfer erlebt, der will auf Kosten anderer leben.

NebenAN: Sie schreiben  in einem Kapitel „Glück folgt der Entschiedenheit“. Ist also jeder der sich entschieden hat, gleichauf glücklich?

Sprenger: Der Zweifel wird immer der Lebensbegleiter eines reflektierenden Menschen sein. Aber es geht um den Willen, immer wieder durch den Zweifel hindurch zur Entschiedenheit zu kommen. Und dauere sie auch nur einen Moment..

Oft wir nicht getan, was sinnvoll ist, sondern was belohnt wird.

 NebenAN: Sie sagen wer lobt manipuliert und ist nicht ehrlich. Sind Sie gar nicht empfänglich für Lob?

Sprenger: Doch, aber ich weiß, es sind keine guten Gefühle, sondern nur bekannte Gefühle. Ich kenne sie aus meiner Kindheit. Erwachsen sein heißt sich trennen, unabhängig werden und selbstverantwortlich sein. Und das verträgt sich nicht mit der infantilisierenden Geste des Lobens.

Der Tod jedes Glücks ist der Vergleich

 NebenAN: Der Vergleich, ist in ihrem Buch der Tod des Glücks. Ist Neid oder Vergleich nicht eine angeborene Eigenschaft?

Sprenger: Das mag sein, aber er ist immer der Tod des Glücks. Das zu wissen macht mich ein Stück unabhängiger von der Aussensteuerung.

NebenAN: Wer immer selbstbestimmt seine Wünsche und Meinungen vertritt, kein Ja bei Nein sagt und immer ehrlich ist, wird schnell als egoistisch und querolant angesehen.

Sprenger: Jeder tut doch das, was er will. Immer. Es ist ihnen meistens nicht bewusst. Zu den Wünschen: Die meisten Menschen wissen gar nicht, was ihnen wirklich wichtig ist. Sie stochern im allgemein Wünschbaren herum. Und das macht unzufrieden.

NebenAN: Wer also tut, wofür er brennt, ist zufrieden und glücklich!

Sprenger: Talent, Fleiß und Leidenschaft müssen zu gleichen Teilen gegeben sein.

NebenAN: Wann sind Sie glücklich?

Sprenger: Wenn ich mit meiner Band spiele.

NebenAN: Hatten Sie zu wenig Leidenschaft um Musiker zu werden?

Sprenger: Nein, in dem Fall zu wenig Talent. Nicht allem kann man mit Fleiß beikommen.

Ich bin vieles, nur nicht ich.

NebenAN: Diplomatie wird als eine reife Eigenschaft gepriesen. Läßt sie sich mit Authenzität überhaupt vereinbaren?

Sprenger: Authenzität existiert nicht. Alle Rollen sind immer kontexabhängig. Ich bin vieles, nur nicht ich.

NebenAN: Wie denken Sie über das „bedingungslose Grundeinkommen“? Macht es die Menschen frei und glücklich?

Sprenger: Ich bin skeptisch. Ich glaube nach wie vor, dass Furcht vor dem sozialen Abstieg ein wichtiger Motivator ist, den man nicht ohne Not schwächen sollte. Zudem sollte man die persönlichkeitsfördernde Dimension von Arbeit, im Sinne von Tauscharbeit, nicht unterschätzen. Menschen wollen Partner als Tauschpartner.

Arbeit und das Leben sind eins 

NebenAN: Hatten Sie nie den Wunsch nach einer Auszeit? Weg von dem Stress?

Sprenger: Stress hat nur der, der sich nicht entscheidet, im falschen Job ist. Und eine Auszeit oder Urlaub ist mir ein Gräul. Ich mache keinen Unterschied zwischen Arbeit und Leben. Das ist eins für mich.

Die „Take-Aways“ um in ihrem Leben wieder am Ruder zu sein, haben wir im Kasten für Sie zusammengefasst.

Take-Aways Leben Sie selbstbestimmt: Alles, was sie tun, tun sie freiwillig und eigenverantwortlich.

Die Umstände sind nicht an Ihrer Situation schuld. Alles ist das Ergebnis Ihrer Wahl.

  • Wägen Sie Alternativen vorurteilsfrei ab und lassen Sie sich in Ihren Entscheidungen nicht von den Erwartungen anderer beeinfl ussen.
  • Wenn Sie irgendetwas nicht tun, dann ist Ihnen anderes wichtiger. Es besteht daher kein Grund, dem Abgewählten hinterherzutrauern.
  • Ändern Sie, was Ihnen nicht gefällt.
  • Verlassen Sie eine Situation, wenn sich etwas nicht ändern lässt.
  • Wenn Sie nicht weggehen können: Erkennen Sie die Situation mit voller Hingabe an.
  • Entscheiden Sie mit Entschiedenheit. Stehen Sie zu Ihrer Entscheidung und deren Konsequenzen.
  • Leben Sie im Hier und Jetzt und träumen Sie nicht von einer besseren Zukunft.
  • Fühlen Sie sich zu 100 % verantwortlich für Ihr Leben – das gibt Ihnen 100 % Freiheit und 100% Glück

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