NebenAN

Magazin BGL & Salzburg

Unglück muss der Mensch haben – Satire

Im Grunde wissen wir es alle. Nichts ist unerträglicher als pures Glück Probleme? Ja bitte!

Es wird endlich Zeit, mit dem Jahrtausende alten Märchen aufzuräumen, wonach Glück und Eierkuchen die erstrebenswerten Lebensziele sind. Vollkommen unerklärlich darum das Überangebot an Seminaren und Psychoanalysen. Wir ertrinken in einer Flutwelle an Anweisungen zum Glücklichsein. Dabei wissen wir doch vom eigenen Leib: Nichts ist unerträglicher als pures, uferloses Glück. Außerdem braucht der Sozialstaat eine leicht kränkliche Bevölkerung, so dassman es nicht den laienhaften Versuchen des einzelnen überlassen kann, sich im Unglücklichsein zu aalen. Denken wir nur an die Industrie und deren Arbeitsplätze, die hinter jedem Problem(chen) stehen. Ein westdeutscher Normalverbraucher nimmt im Laufe seines Lebens unzählige Medikamente ein. Wie katastrophal wären die Folgen, würde der Verbrauch stagnieren oder gar rückläufig werden.

Magazin NebenAN, Seite 15

Magazin NebenAN, Seite 15

Und wohin mit all unseren Psychoanalytikern? Zur Abwendung dieser Tragik müssen wir einen selbstlosen und verantwortungsbewußten Beitrag leisten. Denn unglücklich sein kann jeder, sich unglücklich machen jedoch will gelernt sein. Von welcher Priorität Unglück sein kann, weiß die Weltliteratur aufzuzeigen. Erzählen doch die ganz großen Werke von Schmerz, Leid, Gefahren und Katastrophen. Denn nicht nur in Love Story reißt der Tod Liebende gewaltsam auseinander. Man könnte, wollte man wirklich alle langweilen, Beispiele bis ins Unendliche zitieren.

Unser Motto nun: Erlaubt ist, was nicht gefällt. Sie können alles tun, solange es ihnen nur keinen Spaß macht. Leben Sie mit ihrer Umwelt und besonders mit den Mitmenschen in Konflikt. Vor allem aber seien Sie mit sich selbst uneins. Machen Sie aus sich einen erbitterten Gegenspieler- Bereits mit dem Läuten des Weckers gehen Sie ans Werk. Überlegen Sie gründlich, warum Sie denn schlecht geschlafen haben, wo es im Augenblick überall weh tut und weshalb Sie auf keinen Fall aufstehen können und wollen. Schleppen Sie sich trotzdem ins Badezimmer, und blicken Sie erbarmungslos in den Spiegel. Erkennen Sie sofort die verlegten Haare, suchen Sie eifrig nach neuen Mitessern, und zählen Sie langsam und lautstark alle Fältchen und Falten. Blicken Sie dabei nie auf die Uhr, denn sonst kommen Sie nicht zu spät zur Bushaltestelle. Der Bus würde ihnen dann nicht davonfahren, und Sie kämen pünktlich zu ihrer Arbeitsstelle.

Damit bringen Sie sich um die abenteuerlichen Entschuldigungsmonologe, die der Chef nicht glaubt. Somit hätten Sie am Vormittag nichts zu schimpfen und könnten nicht mit ihrer Kündigung und deren fatale Folgen für die Firma spekulieren. Vergessen Sie nicht, zum Getränkeautomaten zu gehen. Es wäre doch leicht möglich, dass er wieder mal defekt ist. Wenn nicht, können Sie mit ihrem Kaffee immer noch wichtige Papiere bekleckern. Ärgern Sie sich danach gründlich über das Missgeschick.

Betrachten Sie ihre arbeitende Kollegenschaft. Wie lange sind Sie eigentlich schon in diesem Betrieb, mit diesem entsetzlichen Chef und diesen fürchterlichen Mitarbeitern? In diesem Haufen von unfähigen Dilettanten die auch noch etwas zu sagen haben? Wären nicht Sie in der Lage, den Umsatz dieser Geschäftsstelle zu verdoppeln?

Sehen Sie alle fünf Minuten auf die Uhr! Da erkennen Sie einmal, wie langsam doch die Zeit verrinnt. Lassen Sie nur nicht das Mittagessen wegen unerledigter Arbeit stehen. Die Suppe könnte doch versalzen sein, das Fleisch vielleicht ungenießbar. Außerdem könnte es sein, dass ihnen jemand den Appetit verdirbt mit seinen schlechten Tischmanieren. Wenn Sie sich dann noch recht lange für den Nachtisch anstellen dürfen, der genau zu dem Zeitpunkt ausverkauft ist, wo Sie an die Reihe kommen, ist doch bereits der halbe Tag gerettet.

Erzählen Sie nur niemandem von den umherliegenden Telefon- und Schreibmaschinenkabeln, die unbedingt verlegt gehören. Lassen Sie keine Gelegenheit aus, über diese zu stolpern. Beharren Sie nicht auf einem guten Stuhl, lhre Kreuz- und Nackenschmerzen wären dahin.

Ein ganz erfolgreich erprobter Tipp: Wählen Sie als Nichtraucher nur ein Büro mit starken Rauchern.

Vor allem: Beeilen Sie sich nicht mit ihrer Arbeit, sonst gibt es keine Überstunden. Wenn Sie schließlich nach Hause kommen, sagen Sie ihrem Liebling etwas, das man ernsthaft oder auch als Scherz auffassen kann. Beschuldigen Sie dann den Partner, je nach Reaktion, dass er nie etwas ernst nimmt oder aber keinen Humor hat.

Bleiben Sie ihrer Meinung treu. und schließen Sie auf keinen Fall irgendwelche faulen Kompromisse. Selbst dann nicht, wenn es in ihrem eigenen Interesse wäre. Denn nur Sie allein sind der Schöpfer ihres Unglücks.

Packen sie es an.

von Christoph Ebner

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